Metall- und Elektroindustrie Küste

FAQ zur Tarifrunde 2020/21

(14.11.2020) Welches sind die Themen der Tarifrunde? Welche Forderungsempfehlungen hat der Vorstand gegeben? Worauf stützt sich die Entgeltforderung? Die häufig gestellten Fragen und Antworten zur Tarifrunde 2020/2021 in der Metall- und Elektroindustrie.

1. Wo stehen wir gerade in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie 2020/21?
2. Welche Bedeutung hat die Kündigung der Tarifverträge für die Beschäftigten?
3. Welches sind die Themen der Tarifrunde?
4. Welche Forderungsempfehlung hat der Vorstand für die regionalen Tarifkommissionen rausgegeben?
5. Was hat es mit der Forderung nach einem Volumen auf sich?
6. Worauf stützt die IG Metall in wirtschaftlichen Krisenzeiten ihre Entgelt-Forderung?
7. Was bedeutet der Vorschlag der 4-Tage-Woche genau?
8. "Jugend ist Zukunft", heißt es immer – welche Anforderungen hat die IG Metall bezogen auf die Zukunft der Jugend?
9. Nach der Corona-Krise ist immer noch ganz viel Klima-Krise da – spielt das in der jetzigen Tarifrunde irgendeine Rolle?
10. Wie wollen wir als IG Metall für unsere Forderungen mobilisieren und Druck machen?
11. Warum sollte ich mich für diese Forderungen engagieren bzw. Mitglied werden?
12. Wie geht es mit der Tarifbewegung weiter?


1. Wo stehen wir gerade in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie 2020/21?


Derzeit werden die Themen der Tarifrunde von den IG Metall Mitgliedern in den Betrieben diskutiert. Am 15.10. wurde in der Tarifkommission die Empfehlung an den Vorstand beschlossen, einige Tarifverträge zu kündigen. Am 09.11. hat der IG Metall Vorstand über die Situation beraten und eine Forderungsempfehlung für die Tarifrunde abgegeben. Am 17.11. werden die Mitglieder der Tarifkommission Küste über die Rückmeldungen aus den Betrieben diskutieren und einen Forderungsbeschluss fassen.

2. Welche Bedeutung hat die Kündigung der Tarifverträge für die Beschäftigten?


Gekündigt wurden der Tarifvertrag Entgelte und Ausbildungsvergütungen, der Tarifvertrag Aufbau und Sicherung von Beschäftigung und der Tarifvertrag Zukunft in Arbeit. Diese enthalten Regelungen zur Beschäftigungssicherung, zur Arbeitszeitabsenkung und zum Entgelt. Nach Auslaufen des Tarifvertrages gilt der Tarifvertrag in der Regel für IG Metall Mitglieder weiter. Allerdings werden neuen Inhalte nicht automatisch aufgenommen. Es müssen also neue Verträge zu den gewünschten Inhalten abgeschlossen werden.

3. Welches sind die Themen der Tarifrunde?


Zuallererst natürlich Beschäftigungssicherung, aber auch die Bewältigung der strukturellen und technologischen Umwälzungen (Transformation) und eine Entgelterhöhung bzw. -sicherung.

4. Welche Forderungsempfehlung hat der Vorstand für die regionalen Tarifkommissionen rausgegeben?



Der Vorstand empfiehlt den regionalen Tarifkommissionen, ein Zukunftspaket zu fordern:
• Eine Verbesserung der Tarifregelungen zur Beschäftigungssicherung durch Modelle der Arbeitszeitabsenkung mit Teilentgeltausgleich.
• Einen tariflichen Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge.
• Ein Volumen von bis zu 4 Prozent zur Stärkung der Einkommen bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Das Volumen steht auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung, z. B. dem Teilentgeltausgleich zur Verfügung.

Zudem sollen – regional verschieden – Anpassungsschritte erfolgen, um die bestehende Schlechterstellung der ostdeutschen Beschäftigten zu beseitigen. Weiterhin sollen tarifliche Regelungen zur Verbesserung der Ausbildung und für Dual Studierende, insbesondere die unbefristete Übernahme aller Ausgebildeten, gefunden werden.

5. Was hat es mit der Forderung nach einem Volumen auf sich?


Aktuell wird diskutiert, dass der Entgeltabschluss abhängig von der betrieblichen Situation unterschiedlich eingesetzt werden kann. Alle Beschäftigten sollen aus einem Teil des Abschlusses grundsätzlich eine Entgelterhöhung erhalten. Wenn Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung (Kurzarbeit, Arbeitszeitabsenkungen, …) nötig sind, dann könnte aus dem anderen Teil Geld zur Aufstockung von Entgeltverlusten genutzt werden. Auch für notwendige Qualifizierungen könnte das Volumen eingesetzt werden. Sind keine Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung oder Ähnliches im Betrieb nötig, dann wird das Volumen ganz an die Beschäftigten ausgezahlt.



6. Worauf stützt die IG Metall in wirtschaftlichen Krisenzeiten ihre Entgelt-Forderung?


Die Binnennachfrage, also das "Geldausgeben" der Beschäftigten, ist ein wesentlicher Stabilisator des Wirtschaftskreislaufes. Eine Entgelterhöhung ist aus gesamtwirtschaftlicher Sicht also sinnvoll. Die letzte Entgelterhöhung liegt gute 2 Jahre zurück, trotz z. T. hoher Gewinne der Unternehmen. Außerdem sind die Preise gestiegen, zum Beispiel für Lebensmittel und Wohnen in den letzten Monaten. Eine Entgelterhöhung zur Stärkung der Kaufkraft ist deshalb gerechtfertigt.

Durch die Corona-Krise ist der "private Konsum" als gesamtwirtschaftliche Nachfrage eingebrochen: Viele Kolleginnen und Kollegen haben aufgrund von Kurzarbeit Entgelteinbußen hinnehmen müssen, geplante Anschaffungen verschoben. Die Senkung der Mehrwertsteuer hat das nicht auffangen können. Höchste Zeit, dass wieder Geld in die Taschen kommt!

7. Was bedeutet der Vorschlag der 4-Tage-Woche genau?


Es geht um die Möglichkeit, in Betrieben oder Betriebsteilen die Arbeitszeit zum Beispiel auf 32 Stunden pro Woche zu verkürzen. Die 4-Tage-Woche soll als betrieblich einsetzbares Instrument zur Beschäftigungssicherung angewandt werden – im Gegensatz zum persönlichen Recht auf verkürzte Vollzeit. Letzteres ist seit 2018 im Manteltarifvertrag geregelt.

Eine Reduzierung der Arbeitszeit bedeutet immer auch Entgeltverluste. Deshalb brauchen wir einen Teilentgeltausgleich. Dieser kann zum Beispiel in Form eines Zuschusses durch den Arbeitgeber erfolgen. Dafür brauchen wir auch eine staatliche Unterstützung. Diese kann in Form von Steuerfreiheit für diesen Teilentgeltausgleich erfolgen, vergleichbar der Steuerbefreiung bei Nachtarbeitszuschlägen. Eine weitere Möglichkeit wäre zusätzlich eine Umlage von betrieblichen Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld, um die monatlichen Bezüge auszugleichen. Eine weitere Überlegung ist, die Arbeitszeitabsenkung mit Weiterbildungsanteilen zu koppeln.

Eine Herausforderung würde allerdings die Anwendung der 4-Tage-Woche auf die Arbeitszeit im Osten, da dort aufgrund der Manteltarifverträge in der Metall- und Elektroindustrie die 38 Stundenwoche gilt. Aber auch hier brauchen wir eine entsprechende Lösung.

8. "Jugend ist Zukunft", heißt es immer – welche Anforderungen hat die IG Metall bezogen auf die Zukunft der Jugend?


Die jungen Menschen brauchen Zukunft. Sie müssen ihre beruflichen Pläne verwirklichen und eine betriebliche Berufsausbildung beginnen können. Das gelingt nur, wenn Ausbildungsplätze erhalten bleiben. Als weitere Herausforderung sehen wir es an, die Anzahl der dualen Studienplätze zu erhalten und die dualen Studiengänge auszugestalten. Für die Ausgebildeten ist die Übernahme zu sichern, um ihren Einstieg in das Berufsleben möglich zu machen. Das ist nicht nur eine betriebliche, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung!

9. Nach der Corona-Krise ist immer noch ganz viel Klima-Krise da – spielt das in der jetzigen Tarifrunde irgendeine Rolle?


Unbedingt. Unser Ziel als IG Metall ist ja gerade, Beschäftigung zu halten und Zukunft zu gestalten – sozial, ökologisch und demokratisch. Das begleitet uns an der Küste aktuell in vielen Debatten, z. B. zur Wasserstofftechnologie, bei der Zukunft des Schiffbaus oder der Luftfahrt. Kurzfristig muss es also um eine Krisenbewältigung gehen, die im Blick hat, dass sich mittel- und langfristig Produkte und Prozesse verändern. Damit einhergehen werden auch andere Anforderungen an die Qualifikation und Arbeitsweisen der Beschäftigten.

10. Wie wollen wir als IG Metall für unsere Forderungen mobilisieren und Druck machen?


Viele Unternehmen setzen derzeit die Interessenvertretungen und Beschäftigten unter Druck, indem sie Stellenabbau ankündigen und Entgelteinbußen fordern. Das führt dazu, dass wir viele einzelbetriebliche Auseinandersetzungen führen und zukunftsorientierte Lösungen finden müssen. Unser Ansatz ist, gemeinsam für die Zukunft zu kämpfen.

Die Corona-Pandemie fordert uns allen viel ab. Angesichts steigender Fallzahlen müssen auch wir unsere Präsenzveranstaltungen minimieren und auf kreative Alternativen umsteigen. Da sind wir auf viele kleine Ideen und Aktivitäten angewiesen – wir lernen voneinander! Es gibt viele Beispiele, wie man auch ohne Großdemonstrationen unsere Forderungen in die Öffentlichkeit bringen kann. Außerdem ist Druck auf die Betriebe möglich. Das diskutieren wir gerade mit den betrieblichen Kolleginnen und Kollegen. Klar ist: Wir wollen einen Tarifabschluss bis Ende Februar ohne Warnstreiks erreichen. Wenn nötig, werden wir unseren Forderungen aber auch mit Warnstreiks Nachdruck verleihen.

11. Warum sollte ich mich für diese Forderungen engagieren bzw. Mitglied werden?


Die Zeiten ändern sich - was gestern galt, gilt für die Zukunft nicht automatisch weiter. Wer sich nicht engagiert, verspielt die Chance auf Teilhabe und Gestaltung. Warum sollten die Unternehmen in Krisenzeiten allen Beschäftigten weiterhin Entgelte und Sicherheiten gewähren, auf die nur die Gewerkschaftsmitglieder Anspruch haben? Warum sollten die Gewerkschaftsmitglieder sich für diejenigen stark machen, die nur Ansprüche formulieren, ohne selbst dafür einzustehen? Jetzt geht es darum, nicht nur Bestehendes zu verteidigen, sondern die Zukunft zu gestalten.

12. Wie geht es mit der Tarifbewegung weiter?


Das hängt neben der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie an jedem IG Metall Mitglied in den Betrieben. Der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich, hat nach der letzten Tarifkommission gesagt:

"Wir wollen gemeinsam mit den Arbeitgebern durch die Krise und die Zukunft in den Betrieben gestalten. Dazu brauchen wir zunächst Sicherheit für die Beschäftigten, um dann gemeinsam mit den Geschäftsführungen Investitions- und Produktperspektiven zu entwickeln sowie Maßnahmen zur Personalentwicklung zu vereinbaren.“

Nun gilt es, in den Betrieben über die Themen und Forderungen sowie deren Mobilisierungs- und Durchsetzungsfähigkeit zu diskutieren. Die erste Verhandlung mit Nordmetall ist für den 14.12.2020 geplant. Sollte bis Ende Februar 2021 kein Ergebnis erzielt werden, werden ab 02.03.21 Warnstreiks folgen.

:: FAQ zur Tarifrunde 2020/2021 als PDF (PDF | 404 KiB)



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