Hauni für Betriebsrätepreis nominiert

Beschäftigte sichern Zukunft mit ihren Ideen

(13.08.2021) Hoffnung auf eine hohe Auszeichnung: Der Betriebsrat der Hauni Maschinenbau GmbH aus Hamburg-Bergedorf ist für den Deutschen Betriebsräte-Preis nominiert worden. Die Arbeitnehmervertretung des Tabakmaschinen-Herstellers konkurriert mit elf weiteren Gremien um die drei Hauptpreise – in Gold, Silber und Bronze – sowie die Auszeichnungen in Sonderkategorien. Die Verleihung der Preise ist vor mehr als 1000 Gästen am 11. November in Bonn geplant. Die Schirmherrschaft hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) übernommen.

Besuch beim Maschinenbauer Hauni: IG Metall-Bezirksleiter Friedrich im Austausch mit Beschäftigten.

Grund für die Nominierung ist der erfolgreiche Kampf von Betriebsrat, Belegschaft und IG Metall gegen den vom Unternehmen geplanten Kahlschlag. Exakt 953 von rund 2300 Arbeitsplätzen sollten weg. Unter anderem sollte dabei auch die komplette Fertigung mit 250 Beschäftigten dichtgemacht werden. "Die Beschäftigten bei Hauni haben sich organisiert und mit kraftvollen Aktionen gegen die Planungen der Geschäftsführung gewehrt", sagt Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, nach einem Besuch des Betriebes. "Das Ergebnis kann sich sehen lassen: In einem Zukunftstarifvertrag hat die Belegschaft durchgesetzt, dass ihre Ideen gefördert werden und zu besseren Prozessen beitragen. Das sichert Arbeitsplätze und bringt das Unternehmen nach vorne."

Eine Million Euro stellt die Firma dafür jedes Jahr in einem Innovationsfonds zur Verfügung. Ein paritätischer Lenkungskreis aus Geschäftsleitung und Betriebsrat entscheidet am Ende, welche Innovationen verfolgt werden. Der Betriebsrat bestimmt zudem mit bei der Personalplanung und Qualifizierung. "Die Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten und ihrer Betriebsräte bei Hauni gehen nun deutlich über das hinaus, was im Gesetz steht", erklärt Ina Mewes von der IG Metall Region Hamburg, die den Zukunftstarifvertrag mit ausgehandelt hat.

"Früher sind die Ideen der Beschäftigten an irgendeinem Abteilungsleiter hängen geblieben – und sie haben es schnell aufgegeben", erklärt der Betriebsratsvorsitzende Uwe Zebrowski. "Jetzt kriegen wir jede Woche Mails und werden angesprochen: Kommt zu uns, wir haben eine Idee. Wenn die Kollegen erst mal Vertrauen haben, haben sie unglaubliche Ideen, auf die nie ein Manager kommen würde."

Dadurch sind 253 Arbeitsplätze gerettet worden. 700 Arbeitsplätze werden sozialverträglich über eine großzügige Altersteilzeit und Abfindungen ohne Entlassungen abgebaut. Dafür verzichteten die Beschäftigten im vergangenen Jahr einmalig auf ihr tarifliches Zusatzgeld B in Höhe von rund 400 Euro. Aber: Alle 1600 verbleibenden Arbeitsplätze sind langfristig gesichert – über Kurzarbeit mit Aufstockung und danach zur Not über eine Reduzierung der Arbeitszeit. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2024 ausgeschlossen.

:: Die Nominierten 2021 als pdf (PDF | 186 KiB)



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